Fehl- und Mangelernährung

Eine Fehl- und Mangelernährung ist eine der häufigsten Ursachen für viele Erkrankungen beim Wellensittich.

Fehl- und Mangelernährung

Übergewicht

Übergewicht ist genau genommen zwar keine Krankheit, kann aber die Ursache bzw. der Auslöser für viele Erkrankungen sein.

Ursachen

Wenn man sich auf die handelsüblichen Produkte für Wellensittiche verlässt, ist das Übergewicht in der Regel schon vorprogrammiert. Die meisten dieser Produkte sind mit dem Fastfood beim Menschen vergleichbar.

Diese bilden stellen nicht nur eine sehr einseitige, sondern auch eine ausgesprochen kalorienreiche Ernährung dar.

Neben ungeeignetem Futter und falscher Futtermenge gibt es auch noch andere Ursachen:

  • Fressen aus Langeweile
  • Kolbenhirse, Knabberstangen und Snacks zur freien Aufnahme im Käfig
  • “rabiate” Hennen verdrängen Hähne vom Futter
  • Hennen werden intensiv vom Hahn gefüttert

Diagnose

Durch das Gefieder ist es nahezu unmöglich mit dem Auge zu erkennen, ob ein Vogel zu dick ist oder nicht.

Hierfür ist es nötig, vorsichtig mit dem Finger über die Brustmuskulatur zu streichen. Im Normalfall sollte diese rechts und links vom Brustbein leicht aufwölben.

Wenn sich das Brustbein aufgrund der Fettschicht kaum noch oder gar nicht mehr ertasten lässt, ist der Vogel in jedem Fall übergewichtig.

Weitere Anzeichen können sein:

  • fliegt meist nicht mehr
  • stürzt beim Fliegen ab
  • heftiges Atmen mit geöffnetem Schnabel nach wenigen Flügelschlägen
  • Darmträgheit mit Kotabsatzbeschwerden

Neben einer Überlastung der Herz-Kreislauf-Systems und der Gelenke, stellt das Hauptrisiko eine Schädigung der Leber bzw. die Entwicklung einer Fettleber dar.

Therapie

Als erste Maßnahme sollte die Futtermenge begrenzt werden, wobei ein Wellensittich ca. 2 Teelöffel Körnerfutter am Tag erhalten sollten. Bei übergewichtigen Wellensittich kann man diese dann auf 1 Teelöffel reduzieren, was natürlich nur Sinn macht, wenn dieser von den anderen Vögeln getrennt wird. Grünfutter kann dabei in normalen Mengen angeboten werden.

Bei einer übergewichtigen Henne und einem dünnen Hahn, empfiehlt es sich diese etwas 2 mal in der Woche zu trennen. So kann das Männchen an diesen Tagen mehr Futter aufnehmen, während das Weibchen nur die halbe Menge Körnerfutter erhält.

Ungeachtet der vorigen Maßnahmen ist natürlich eine Futterumstellung zwingend notwendig.

Das Hauptfutter, also die Körnermischung sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • hoher Anteil an Grassamen (10-20%)
  • keine Ölsaaten
  • kein Zucker, Honig oder andere unerwünschte Inhaltsstoffe

➔ Körnermischungen


Sand- bzw. Gritmangel

Allgemeines

Wellensittiche nehmen regelmäßig Sand und Grit (kleine Steinchen) auf, diese für die Zerkleinerung der aufgenommenen Körnernahrung im Muskelmagen benötigt werden.

Nach einige Tage nutzen sich diese bei den Mahlvorgängen ab und werden dann wieder nach und nach über den Darm ausgeschieden.

Symptome

Ein Sand- und Gritmangel kann schwere Verdauungsstörungen zur Folge haben, da das Futter nicht mehr vollständig zerrieben werden kann und somit nicht mehr bzw. nur noch unzureichend verwertet werden kann, wodurch wertvolle Nährstoffe verloren gehen.

Grobkörnige Kotausscheidungen sind Anzeichen dafür, dass das Futter, in Folge von Sand- und Gritmangel, nicht ausreichend im Muskelmagen zerkleinert werden konnte.

Vorbeugung

Es sollte immer noch zusätzlich Grit zur Verfügung gestellt werden. Aus hygienischen Gründen sollte dieser in einem gesondertem Napf angeboten werden, da der Vogelsand am Käfigboden zwangsläufig durch Kot verunreinigt wird und somit ein Gesundheitsrisiko darstellen könnte.


Vitamin A – Mangel

Allgemeines

Der Vitamin-A-Mangel ist vermutlich die häufigste Ursache für Erkrankungen bei Wellensittichen.

Die Vorstufe des Vitamin A, also das Beta-Carotin bzw. Provitamin A, findet man in grünen Pflanzenteilen sowie in Gemüse und Obst. Dieses wird dann im Organismus des Wellensittichs in das benötigte Vitamin A umgewandelt.

Nachdem im Körnerfutter kaum bzw. überhaupt kein Vitamin A enthalten ist, sind die Wellensittiche auf die Gabe von Frischfutter angewiesen, um eine Mangelernährung zu verhindern.

➔ Nährstoffgehalt von Grünfutter und Gemüse

Symptome

Bei einer chronischen Unterversorgung können folgende Symptome auftreten:

  • Verhornung der Schleimhautepithelien1Epithelien = Deckgewebe an der Hautoberfläche in Nase, Schnabelhöhle, Speiseröhre und Kropf usw.
  • Hyperkeratose2Verhornung der Haut (v.a. Wachshaut) sowie Zuwachsen der Nasenlöcher

Durch die Veränderungen der Haut und Schleimhaut können sich dort Keime und Krankheitserreger leichter ansiedeln, was folgende Erkrankungen zu Folge haben kann:

  • Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut)
  • Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlung)
  • geschwürige Veränderungen von Zunge und Speicheldrüsen
  • Kropfentzündungen
  • Nierenerkrankungen und Gicht
  • Sohlenballengeschwüre
  • Atembeschwerden durch Zuwachsen der Nasenlöcher

Therapie

Mehrfaches Verabreichen von Vitamin-A-Injektionen durch den Tierarzt zur Verringerung der akuten Symptome.

Gleichzeitig sollte vermehrt Grünfutter und Gemüse mit hohem Vitamin-A-Gehalt (➔ Nährstoffgehalt), wie z.B. Löwenzahn oder Karotten, angeboten werden.

Zudem empfiehlt es sich ein Vitamin-Präparat (z.B. Primus Vital) unter das Körnerfutter zu mischen.

Weitere Informationsquellen: