Freiflugzimmer

Freiflugzimmer

Wenn man seinen Wellensittich in einem Zimmer frei fliegen lassen möchte, muss man dieses unbedingt auch zuerst wellensittichsicher herrichten.

Dabei gibt es bei einem Freiflugzimmer eine Menge Dinge zu beachten, die einem auf den ersten Blick oft gar nicht in den Sinn kommen würden. So sind zum Beispiel die meisten gängigen Zimmerpflanzen für Wellensittiche giftig. Mit einem Schild “Knabbern verboten” ist es da leider nicht getan und somit müssen diese wohl oder übel in einem anderen Zimmer untergebracht werden.

  • Fenster (und ggf. Gardinen) vogelsicher machen
  • Spalten zwischen Möbeln und Wand absichern
  • alle Zimmerpflanzen entfernen, soweit diese nicht ungiftig sind
  • oben offene Gefäße (z.B. Vasen, Gießkannen) entfernen
  • Papierkörbe mit Deckel verwenden
  • geeignete Lande- und Spielplätze

Fenster und Gardinen

Die größte Gefahr bei Fenstern ist nicht etwa, dass die Wellensittich durch diese entkommen könnten, sondern es sind die durchsichtigen Fensterscheiben, die zu tödlichen Unfällen führen können.

Fensterscheiben

Nachdem die Fensterscheiben für die Vögel nicht als Hindernis erkennbar sind, muss man diese entsprechend absichern.

  • transparente Gardinen
  • selbsthaftende Sichtschutzfolie

Die einfachste Möglichkeit wäre, wenn man bereits entsprechende transparente Gardinen vor den Fenstern hängen hat oder diese dort anbringen könnte. Dabei muss man aber unbedingt darauf achten, dass die Maschen so fein sind, dass die Wellensittiche sich nicht mit den Füßen darinnen verfangen können.

Eine weitere Möglichkeit wäre es natürlich eine selbsthaftende Sichtschutzfolie über die ganze Fläche der Fensterscheiben anzubringen. Man sollte dabei unbedingt bedenken, dass Wellensittich auch kleinere, unbedeckte Lücken als Durchgang betrachten könnten. So musste ich auch das Oberteil meines Vogelbades mit einer Milchglasfolie versehen, nachdem meine Wellensittiche versucht haben, hindurchzufliegen und daraufhin eine abrupte Notwasserung hinlegen mussten.

Gardinen

Wie oben schon erwähnt, darf man keine grobmaschigen Gardinen in dem Freiflugzimmer verwenden, in dem die Wellensittiche frei fliegen können. Es besteht dabei die Gefahr, dass sie sich mit den Füßen darin verfangen könnten. Noch gefährlicher sind Fadenvorhänge oder Fransen an den Gardinen. Hierin können sich diese nicht nur verfangen, sondern im schlimmsten Fall sogar erdrosseln.

geöffnete oder gekippte Fenster

Auch wenn man vor den Fenstern eine transparente Gardine hat, können die Wellensittiche durch ein geöffnetes oder auch nur gekipptes Fenster entkommen. Nachdem diese gerne auf Gardinenstangen sitzen, kommt es gelegentlich schon mal vor, dass einer hinten durchrutscht und hinter der Gardine landet.

Auch wenn es vielleicht im ersten Moment verlockend klingt, darf man keine Gitter für Kippfenster benutzen, wie man sie für Katzen verwendet. Der Gitterabstand ist bei diesen einfach zu groß und die Wellensittich könnten mit dem Kopf darinnen stecken bleiben.

Somit bleibt nur die Montage eines Fliegengitters übrig, wenn man auch in der Freiflugphase kurz lüften will.

Wenn das Fenster länger offen bleibt bzw. unbeobachtet ist, reicht ein Fliegengitter leider nicht, da dieses nicht schnabelsicher ist.

Offene Türen

Es passiert schnell mal, dass man vergisst die Tür zu schließen, wenn man mal nur kurz das Zimmer verlässt. Das könnte leicht zu einem Problem werden, wenn die Wellensittiche diese Gelegenheit nutzen, auf Erkundungstour zu gehen, v.a. dann, wenn in einem anderen Zimmer die Fenster geöffnet sind.

Hierfür gibt es eine einfache und simple Möglichkeit, um das zu verhindern. Man kann die Türe schnell und unkompliziert mit einem sogenannter Mini-Türschließer nachrüsten, der dann automatisch dafür sorgt, dass die Türe stets angelehnt bzw. geschlossen ist.

Freiflugzimmer

Möbel

Bei allen Möbelstücken sollte man kontrollieren, wie weit diese von der Wand wegstehen und ob der Spalt vielleicht so groß ist, dass ein Wellensittich durchrutschen könnte. Selbst wenn sich der Vogel dabei nicht verletzt, ist es oft recht schwer diese wieder hinter dem Möberstück herauszubekommen.

Eine Möglichkeit, wenn man den Spalt nicht andersweitig verdecken kann, ist die Verwendung eines simplen Fliegengitter mit Klettband. Man muss lediglich an der Möbelkante und der Wand jeweils ein Klettband anbringen, um dann das Fliegengitter dort zu befestigen zu können. Das funktioniert z.B. auch bei einem Fernsehschränkchen ganz gut, bei dem noch die Kabel hinten durchgeführt werden müssen.

Zimmerpflanzen

Wie schon anfangs erwähnt sind die meisten Zimmerpflanzen für Wellensittiche giftig und nachdem man diese schlecht vom Knabbern daran abhalten kann, müssen diese wohl oder übel aus dem Freiflugzimmer entfernt werden.

Das Ganze hat natürlich den Vorteil, dass das Fensterbrett nun weitgehend frei ist, um darauf geeignete Futterpflanzen für Wellensittiche zu ziehen.

Hier noch eine kleine Liste von geeigneten Pflanzen fürs Fensterbrett:

Die Blätter der Pflanzen aus der obigen Liste können übrigens auch alle verfüttert werden.

➔ Zimmerpflanzen

Papierkörbe und Mülleimer

Auch sollte man darüber nachdenken, ob man sich für das Freiflugzimmer nicht Papierkörbe bzw. Mülleimer mit Deckel besorgt. Man kann nie sicher sein, dass nicht einer der Wellensittiche mal bei einer “Notlandung” im Papierkorb o.ä. landet und aus eigener Kraft nicht wieder aus diesem hinauskommt.

Wenn man sich einen Mülleimer mit Schwingdeckel o.ä. hat oder besorgt, sollte man unbedingt auch überprüfen, dass dieser nicht nachgibt, wenn einer der Vögel darauf landet.

Lande- und Spielplätze

Nachdem die Wellensittiche während des Freifluges auch irgendwo (meist möglichst weit oben) landen und sich ausruhen können, sollte man diesen verschiedene Landplätze anbieten. Diese kann man z.B. je nachdem auf den Schrank stellen oder an der Decke aufhängen. Die Gardinenstange alleine ist schließlich auf Dauer zu langweilig.

Damit mit die Wellensittiche die Möbelkanten nicht zu Kleinholz verarbeiten, würde ich ihnen auch geeignete Spielplätze und andere Beschäftigungs- und Knabbermöglichkeiten anbieten.

Unter Empfehlungen – Landeplätze für den Freiflug oder auch unter Praxistests findet man sicher einige Anregungen hierzu.

TIPP:

Leichtere Landeplätze lassen sich wunderbar mittels einer Gardinenstange (siehe Foto) an der Decke aufhängen. Wenn diese allerdings eine gewisses Gewicht aufweisen, ist es natürlich besser einen Deckenhaken zu benutzen.

➔ Beschäftigungsmöglichkeiten selber machen

Mögliche Gefahrenquellen

Oben offene Gefäße

Gefäße die oben eine Öffnung haben, sind für Wellensittiche nicht nur gefährlich, da diese hineinfallen oder steckenbleiben können, sondern können auch zu einer tödlichen Falle werden, wenn diese mit Wasser bzw. mit einer anderen Flüssigkeit gefüllt sind oder diese in Panik geraten.

Tassen

Hierzu gehören unter anderem folgende Dinge:

  • Blumenvasen und Dekogläser
  • Gießkannen für Zimmerpflanzen
  • unbeobachtete Trinkgläser, Tassen oder Kannen ohne Deckel
  • Teelichthalter bzw. -gläser (v.a. mit brennender Kerze)
  • Küchenrollen u.ä.
Kaffeemaschine
Man sollte nie die Neugier unterschätzen!

Gelbkarten und andere Fliegenfänger

Nicht nur die Zimmerpflanzen selber stellen ein Problem dar, sondern auch die Gelbkarten (z.B. gegen Trauermücken) sowie jeder andere Fliegenfänger auf Leimbasis.

An diesen bleiben nicht nur Insekten hängen, sondern auch die Federn des Wellensittichs. Die Leimschicht darauf ist so klebrig, dass sich der Wellensittich dann meist nicht mehr selber befreien kann.

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Zur Verfügung gestellt von missthinwood_art

Lampen

Nicht nur die heißen Glühbirnen (bzw. anderen Leuchtmittel) können den Wellensittichen gefährlich werden, sondern manchmal auch der Lampenschirm selber.

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Wellensittich gefangen im Lampenschirm

Sonstiges

  • giftige Zimmerpflanzen (fast alle!)
  • Kerzen mit offener Flamme
  • elektrische Geräte mit Teflon-Beschichtung (z.B. Raclett)